VereinPartnerProjekteBerichteSpenden
Children of Himalaya
Zufallsbild aus den Alben/ Random picture of our pictures
AktuellesPresseFotosKontaktImpressum
Login
english
Netzwerktechnik & Webprogrammierung Ulf Stephan
15.08.02 18:57 Alter: 18 yrs

B02a/ 07.2002 Reisebericht von der Hilfsaktion Sommer 2002

 

Kurzbericht

Es war geplant über Delhi, Leh, Kargil, Padum nach Kloster Phuktal. Sie musste wegen der Grenzauseinandersetzungen um Kaschmir zwischen Pakistan und Indien abgesagt werden. Auf dringende bitte von Lama Zotpa und Mr. Thakur doch u kommen, um eine in Bau befindliche Schule in Jispa zu besehen, entschlossen wir uns in kleiner Besetzung bepackt mit Medikamenten - unterstützt von Dr,. Grover vor Ort - über Delhi, Nalargarh, Manali nach Jispa anzureisen.

Abenteuer pur, 100 mal "gestorben" auf den vom Militär zerfahrenen "Straßen". - So konnten wir doch noch vielen Leuten helfen und die im letzten Jahr eingerichteten Stationen in Manali, jispa und Kloster Phuktal mit neuen Medikamenten nachrüsten.

Und die Schule?!

Wir waren erstaunt über die vorhandene Substanz. Hier kann mit verhältnismäßig geringen Geldmitteln ein Bau fertiggestellt und so einer großen Zahl von Kindern riesig geholfen werden. Neben dem buddhistischen Tempel - der 1994 vom Dalai Lama für die Region Lahoul und Spiti eingeweiht wurde - liegt der Schulbau. In provisorisch hergerichteten Räumen wurden schon einmal 18 Kinder unterrichtet und beherbergt. Leider musste wegen Geldmangel alles eingestellt werden.

Reisebericht

Ausgangslage:

1. Die geplante Hilfsaktion für 2002 muss wegen der militärischen Auseinandersetzungen im Grenzgebiet Indien/Pakistan um Kaschmir abgesagt werden.

2. Durch Sachspenden lagern bei uns in Kiel Medikamente (ca. 100 kg), die kurzfristig zu verwenden sind.

3. Nach Telefongesprächen mit Mr. Thakur und Lama Zotpa werden wir gebeten, eine in Jispa im Distrikt Spitti - Lahoul in Bau befindliche Schule uns anzusehen.

4. Wir entschließen uns zu einer Reise in kleiner Besetzung und einer beschränkten Reisezeit.

 

Zielsetzung:

1. Versorgung der im Jahre 2001 aufgebauten Krankenstationen in Manali, Jispa und Kloster Phuktal mit M3edikamenten und nach örtlicher Situation auch mit medizinischer Versorgung.

2. Prüfung des Schulbaues in Jispa und den Möglichkeiten ei9ner Förderung.

3. Ergänzungen und Verbesserungsmöglichkeiten für die nächsten Aktionen.

 

Teilnehmer:

1. Satinder Singh (1.Vorsitzender)

2. Kay Schlag (2.Vorsitzender)

3. Ingeborg Schlag (Vereinsmitglied)

4. Franziska Derfert (Arzthelferin)

5. Dr. Sunil Grover (Arzt aus Patiala, ab dem 21.07.)

 

Reiseverlauf:

Samstag: Abfahrt ab Kiel um 04.00 Uhr nach Hamburg (Übergewicht durch die Medikamente muss bezahlt werden), Flug über Paris nach Delhi. Ankunft gegen 23.00 Uhr Ortszeit (Zeitverschiebung 3,5 Stunden).

Begrüßung durch Bruder Kucku Singh, die Lama Zotpa und Tenzin. Erstes Gespräch mit Lama Zotpa (1,5 Stunden).

Sonntag: 02.00 Uhr Weiterfahrt nach Nalagarh am Fuß des Himalaya nördlich von Chandigarh, ca. 300 km im Jeep von Kucku. Die Medikamente sind in einem zweiten Wagen von Kucku verladen, Fahrer ist Mr. Mukesh Sharma.

Ankunft morgens um 08.30 Uhr. Wir sind ganz schön kaputt, auch nachts über 30 Grad warm! Frühstück, schlafen bis späten Nachmittag, abends stößt Dr. Grover zu uns, mit den von ihm gekauften Medikamenten (ca. 150 kg).

Montag: Fahrt nach Manali - 280 km, 11 Stunden auf Indiens Straßen, allein darüber müsste man einen eigenen Bericht schreiben. Pure Angst ist ein ständiger Begleiter.

Dienstag in Manali: 15.000 Einwohner, milderes Klima, viel Grün mit Nadelwald, auch Palmen sind vereinzelt zu sehen. 2.400 m hoch, Berge über 3.500 m mit Schnee auf den Gipfeln.

Leider ist die Schule geschlossen - die Ferien hatten eine Woche vorher begonnen - wir führen Gespräche mit der Schulleiterin Mrs. Pallcid. Wir vereinbaren, die für ihre Schule vorgesehenen Medikamente später in Jispa, ihrem Wohnort, zu übergeben. Außerdem Gespräche mit Mr. Thakur und Vorbereitungen für den nächsten Tag, Verladung der Medikamente in einen Bus.

Mittwoch: Fahrt nach Jispa - 180km, 3.300 m hoch, über den von uns schon bei anderen Reisen so gefürchteten Rothan-Pass, knapp 4.000 m hoch. Und es kam, wie befürchtet, und noch schlimmer: Böschungsrutschungen, steckengebliebene Trucks, Sprengungen von Fels zur Straßenverbreiterung, "Straßenbauarbeiten" per Hand, vom Militär bis zur Unkenntlichkeit zerfahrene Straßen - es war eine Tortur. Nach 12 Stunden erreichten wir in der Dunkelheit 100 mal gestorben unser Ziel.

Donnerstag bis Sonntag: Ein Medical Camp richteten wir ein einem Hotelraum ein. Die bevölkerung von Jispa und Umgebung (es leben ca. 800 Leute dort) war benachrichtigt, es kamen auch viele von weiter her mit dem "Überlandbus". An zwei Tagen fuhren wir zum Behandeln in die Nachbarorte Keylong und Darsha. Die Doktoren hatten alle Hände voll zu tun.

Viel Freude bereiteten die Patienten und andere Personen, die von Heilungen und Erleichterungen aus der letztjährigen Aktion berichteten. In Teamarbeit behandelten Dr. Grover und Frau Derfert Patienten mit hauptsächlich Magen-, Darm-, Erkältungs- und weiteren allgemeinen Krankheiten, während Satinder Singh mit seinen Spezialkenntnissen in Akupunktur Patienten mit Schmerzen in Muskeln, Sehnen und Gelenken behandelte. Unterstützt durch uns durch das Drehen der Nadeln. Hier zeichnete sich besonders unser Fahrer, Helfer in allen Lebenslagen Mr. Mukesh aus.

Leider gab es auch Besucher mit ernsten Verletzungen (Zyste am Auge, die schon einmal behandelt worden war), wo es ratsam schien, eine Behandlung in Manali zu empfehlen. Viele Mütter kamen mit Kleinkindern mit der uns bekannten Augenkrankheit. Wir hatten reichlich Augentropfen dabei. Da in diesen Tagen geerntet wurde, kamen viele Menschen erst nachmittags, und so gab es auch diesmal wieder lange Behandlungstage.

Zwischendurch stellten die Doktoren die Medikamente für die Schule in Manali zusammen. Diese übergaben wir der Schulleiterin Mrs. Pallcid bei einem Glas Buttertee in ihrem Haus. Für das Kloster in Pkthar schnürte Lama Tenzin die zugeteilten Medikamente auf Mulis, um sie in einem fünftägigen Fußmarsch nach dort zu bringen. Die restlichen Medikamente wurden mit schriftlichen Anweisungen für die Weiterbenutzung Herrn Bir Singh übergeben.

 

Die Schule in Jispa steht nebe einem Tempel, der zu Ehren eines Besuches des Dalai Lama in Lahoul und Spiti 1994 eingeweiht wurde. Sie ist mit Unterstützung des Staates, des Dalai lamas sowie großer Eigenleistung ab 1997 erstellt worden und im Rohbau fertig. Bauwert sind ca. 2,5 Mio Rupien. Es gab schon einmal einen Unterricht für 18 Kinder in provisorisch fertiggestellten Räumen, der leider nach 1,5 Jahren wegen Geldmangel wieder eingestellt werden musste.

Als Baufachmann hat sich Kay Schlag das Bauwerk genau besehen und eine gute fachliche Ausführung festgestellt. Gemeinsam mit Mr. Bir Singh und anderen Vertretern des Bürgerkomitees haben wir eine Bestandsaufnahme in Skizze gefertigt. Das Gebäude ist in L-Form gebaut, hat zwei Stockwerke, es fehlen Dach, Fenster, Türen, Elektrik, Sanitär, Kläranlage sowie der Putz außen und im 2. Stockwerk.

In mehreren Besprechungsterminen mit Mr. Bir Singh und dem siebenköpfigen Bürgerkomitee wurden uns die Restkosten zur Fertigstellung und der Aufwand an Unterhaltung für ein Jahr und 30 Kinder aufgegeben und durchdiskutiert. Dies wäre dann ein Neubeginn mit Erstklässlern. Weitere Jahrgänge sollen dann durch Eigenleistung und andere Sponsoren gefördert werden.

Name der Schule: YANG-CHEN-GHA-TSAL, BUDDHIST SCHOOL JISPA

Zu deutsch: "Tempel des Wissens" (abgeleitet von der Göttin des Wissens).

 

Montag: wieder eine "Angstfahrt" zurück nach Manali. Ein riesiges Lob für unseren Driver, ein noch junger Mann, sehr umsichtig, ein Kenner der Strecke.

Dienstag: mehrstündiges Gespräch mit Mr. Thakur und Ruhezeit vor der nächsten Anstrengung.

Mittwoch: 350 km und 12 Stunden auf Indiens Straßen zurück aus den kühlen Bergen in die Hitze von Patiala im Punjab.

Donnerstag: letzte Gespräche mit Dr. Grover, Besuch der Familie Singh, danach flüchten wir uns ins klimatisierte Hotel.

Freitag: Rückfahrt nach Delhi, 19.00 Uhr Treffen mit Lama Zotpa.

Samstag: 09.00 Uhr ein weiteres Gespräch mit dem Lama. Besuch der Jama Masjid-Moschee, des Roten Forts und weiterer Sehenswürdigkeiten. Kay Schlag liegt lang, die Umstellung auf diese Hitze (Tag: 37 Grad und Nacht: 32 Grad) hat ihn umgehauen. In ganz Nordindien fehlt seit Wochen der Monsunregen.

21.00 Uhr Abfahrt zum Flughafen, Verabschiedung unseres immer bereiten Mr. Mukesh.

Sonntag: Abflug gegen 01.00 Uhr und Rückkehr nach Kiel wieder über Paris um 11.00 Uhr.

 

Aufwendungen für den persönlichen Bereich, An- und Abfahrt nach Hamburg, flug, Unterkunft, sämtliche Verpflegung, tragen die Teilnehmer aus Kiel selbst. Nur die Unterkunft für Dr. Grover und Mr. Mukesh, den Kauf von Medikamenten in Indien, Transporte, Mautgebühren trägt der Verein. Sie blieben unterhalb des gestellten Rahmens von 3.000 Euro.

 

Ein herzliches Danke sei an dieser Stelle gesagt an:

Dr. Sunil Grover, der neben seinem fachlichen Wissen auch viel Freizeit eingebracht hat.

Mr. Ravi Thakur, der uns wesentliche Rabatte in den Hotels sowie einen günstigen Bus besorgte.

Mr. Kucku Singh, er stellte nicht nur einen, zeitweise zwei Wagen für uns ab, sondern auch mit Mr. Mukesh einen zuverlässigen, immer bereiten Helfer.

 

Die politische Situation im Streitfall Indien/Pakistan um Kaschmir ist auch vor Ort nur schwer zu bewerten. Fakt ist, dass das Militär weiter nach Norden verlegt wurde, dadurch die Straßen noch mehr zerfahren sind, Trucks mit Dieselversorgung ständig unterwegs sind, das Zielgebiet der geplanten Reise über Leh - Kargil - Padum zu erreichen nicht gestattet wird. Die hauptsächlichen Scharmützel spielen sich im Grenzbereich zwischen den Städten Jammu und Srinagar ab. Die Warnungen auch der Deutschen Botschaft sollten nicht unterschätzt werden.

Erkenntnisse

1. Der medizinische Dienst sollte in Zukunft auf drei Schwerpunkte konzentriert werden.Dies ist die Schule in Manali und hier in erster Linie nur eine Grundversorgung an Medikamenten ähnlich wie für das Kloster in Phuktal, und eventuell eine im Abstand von 2-3 Jahren nötige Neueinweisung, sowie verstärkt die Kinder der Schule Jispa.

Hier bietet sich an, da die Regierung im Winter für Notsituationen einen Hubschrauber in Kulu zur Verfügung stellt, diesen für wenig Geld zu mieten, um auch im Winter die Kinder zu betreuen.

2. Dr. Grover hat sich für weitere Einsätze angeboten. Dies sollte aus Gründen der Kostenreduzierung genutzt werden.

3. Die Schule in Jispa ist mit wenigen Geldmitteln zu vollenden. Im Anfang ohne die 2. Etage. Dafür werden überschlägig benötigt: Fertigstellung einschließlich Ausrüstung mit Mobiliar, Lehrmaterial, Schuluniform - 900.000 Rupien (18-20.000 Euro). In dem Gebäude kann eine Krankenstation errichtet werden. Ein pensionierter Militärsanitäter steht zur Verfügung.

4. Wir sind zu der Ansicht gekommen, dass unser Verein das Gebäude fertig stellen sollte und für 30 Schüler die Verpflegung und die Gehälter von zwei Lehrkräften, sowie drei anderen hilfen, d.h. - 400.000 Rupien (9.000 Euro) im Jahr übernehmen sollte. Entscheidung in Kiel in einr außerordentlichen Mitgliederversammlung. Dazu wird ein gesondertes Entscheidungsprofil erstellt. Bei einem positiven Entschluss kann in diesem Jahr noch so viel geschafft werden, dass im Frühjahr 2003 der Schulbetrieb beginnen kann.

5. Dadurch wäre eine Erkenntnis aus dem Jahre 2001 erfüllt, nämlich dass den Kindern am zweckmäßigsten geholfen werden kann, wenn sie konzentriert an einem Ort über längere Zeit betreut werden. Zusätzlich sichert eine schulische Ausbildung - gerade auch in englischer Sprache - in Indien die einzige Möglichkeit für ein Fortkommen.